Tierbefreiung 121

Film und Fernsehen spiegeln die gesellschaftliche Realität wider oder tragen zur Reflexion über eben jene Realität bei. Neben bloßer Unterhaltung werden in ihnen gesellschaftliche, politische und kulturelle Fragen ebenso wie Ethik und Moral verhandelt – und sie tragen zur Konstruktion sozialer Normen bei.

In unserer Gesellschaft ist es gelebte Normalität, nichtmenschliche Tiere*, fühlende Individuen, als „nutzbare Objekte“ zu betrachten, sie einzusperren, auszubeuten und schlussendlich umzubringen. Dementsprechend spielen nichtmenschliche Tiere* von den Anfängen des bewegten Bildes bis in die unmittelbare Gegenwart auch vor der Kamera eine zentrale Rolle. Sie sind wahlweise „Requisit“, filmische „Held*innen“ oder inszenierte Identifikationsfiguren. Bis zur Unkenntlichkeit vermenschlicht dienen sie der komödiantischen Unterhaltung des zahlenden Publikums; zur Bestie erkoren berühren sie menschliche Ängste.

Wir nehmen dies in unserer aktuellen Ausgabe zum Anlass, uns nichtmenschlichen Tieren* in Film und Fernsehen zu widmen.


Editorial

Liebe Lesende,

am Ende des Jahres neigt man dazu, Bilanz zu ziehen, vor allem auch in Anbetracht der Lage in der Welt. Es sind Zeiten, die viele von uns ratlos zurücklassen. Es scheint an allen Enden dieser Erde zu explodieren. An den Krieg in der Ukraine hat man sich, böse ausgedrückt, leider schon „gewöhnt“. Nun ist in den letzten Wochen zudem die Gewalt im Nahen Osten, wie sooft zuvor schon, hochgekocht. Ein Konflikt, der gefühlt ewig andauert und dessen Lösung unerreichbar wirkt. Von den Brennpunkten, die in der Berichterstattung der Medien sträflich vernachlässigt werden, wie zum Beispiel der Jemen, ganz zu schweigen … Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei allen Opfern der schrecklichen Geschehnisse.

Konfliktherde allerorten. Hinzu kommt die über uns allen schwebende Klimakatastrophe, die nahezu unaufhaltbar auf uns zurollt. Es fällt ob dieser mannigfaltigen, zeitgleich auftretenden Krisen schwer, einen kühlen Kopf zu behalten und an einen halbwegs guten Ausgang zu glauben. Menschen reagieren auf unterschiedliche Weise auf sie überfordernde und belastende Situationen. Eine Form der Reaktion ist, die Hilflosigkeit, die viele von uns in dieser Zeit empfinden, in Taten umzuwandeln: Ins Handeln zu kommen, gibt der eigenen Routine Struktur, vertreibt das fürchterliche Gefühl, ausgeliefert zu sein.

So widmen wir uns in dieser und der nächsten Ausgabe lebensnahen Themen, die jeden von uns betreffen, der nicht völlig abgeschottet und isoliert von der Gesellschaft ist. Sie eignen sich somit hervorragend dafür, das eigene Verhalten noch einmal gezielt zu hinterfragen und auch die gesamtgesellschaftliche Behandlung von nichtmenschlichen Tieren und die zugrundliegenden Werte gründlich zu reflektieren. Im Mittelpunkt stehen in dieser Ausgabe nämlich nichtmenschliche Tiere in Film und Fernsehen – wie werden nichtmenschliche Tiere während der Dreharbeiten behandelt, welche Folgen haben Auftritte von Tieren für die jeweiligen Arten, wie werden nichtmenschliche Tiere und ihre Rechte in Filmen dargestellt und was können wir als Konsument*innen machen, um einen Wandel in der Branche herbeizuführen?

In der nächsten Ausgabe beschäftigen wir uns mit nichtmenschlichen Tieren in der Stadt. Bezüge zum Klima und der Anpassung nichtmenschlicher Tiere an unsere urbane Zivilisation werden gezogen, das Verhalten von Insekten, Vögeln, aber auch Füchsen und Wildschweinen wird beleuchtet sowie der Umgang der Menschen mit ihnen. Wie gestaltet sich das Zusammenleben mit nichtmenschlichen Tieren in der Stadt oder ist es gar kein Miteinander, sondern nur ein Nebeneinander?

Wir freuen uns, wie immer, über Post unserer Leser*innen, Anregungen, Kritik und gerne auch Lob. Lasst uns wissen, was ihr empfindet, wie ihr die Situation der Welt derzeit erlebt. Sendet uns auch gerne Informationen zu euren Aktionen und Vorschläge für neue Texte!

Die Redaktion wünscht eine spannende und erkenntnisreiche Lektüre dieser Ausgabe sowie allen, die sie feiern, erholsame Feiertage und einen guten Übergang in ein hoffentlich friedlicheres Jahr!

Anita Baron

Titelthema
– Tierqual zur besten Sendezeit – Die Kamera als Zeuge
– No Animals were harmed
– Pädagogisch wertlos! Auswirkungen von Film und Fernsehen auf Kinder
– Bean me up! Politik und Veganismus in Star Trek
– Hinter den Mauern der Tierindustrie – Die Enthüllung des unsichtbaren Tierleids durch Recherche-Aktivist*innen
– Sind wir defizitäre Affen? Ruben Östlunds Film „The Square“ hält dem selbsternannten Kulturwesen seinen tierlichen Spiegel vor
– Animal Actors: Tierische Stars in Film und TV Sonderausstellung des Filmmuseums Düsseldorf

Bewegung & Aktivismus
– Rückblick auf das erste antispeziesistische Protestcamp in Sachsen
– Aufruf: Transformation – aber wie?
– In eigener Sache: Anfang einer Aufarbeitung diskriminierender Sprache in unserem Magazin – Trennung von einem Gastautor, zukünftiger Umgang mit Texten,
und eine Entschuldigung an Roots of Compassion
– Demolyrik kritisch hinterfragt: „One Solution – Revolution“

Ortsgruppen
– Einladung zum Tierbefreiungstag 2024 der tierbefreier*innen Bochum

Lebenshöfe
– Kuhlebenshof Happy Kuh e.V.
– Hofupdate SchweineHund e.V.

Ausgabe 121
64 Seiten